Was ein INCI-Name aussagt
Wenn ein Inhaltsstoff auf einem Etikett oder in einer Datenbank auftaucht, ist die erste Frage meist einfach: Was ist das, und wozu wird es verwendet? Ein INCI-Name kann dabei helfen, einen Stoff anhand einer standardisierten Bezeichnung für die Kosmetikkennzeichnung zu identifizieren. In Europa lassen sich in CosIng INCI-Namen, Kennungen und zugeordnete Funktionen recherchieren. Doch die Suche hat Grenzen: Identifizieren ist nicht gleich bewerten. Der Name verrät für sich genommen weder, in welcher Menge ein Stoff in einer Formulierung enthalten ist, noch wie er sich in einem konkreten Produkt verhält oder ob dieses Produkt für eine bestimmte Person geeignet ist.
Die europäische Datenbank enthält aktuelle und historische Informationen. Ein Eintrag sollte daher als Orientierung zu Nomenklatur und Funktionen verstanden werden, nicht als umfassende Schlussfolgerung zum aktuellen Status jedes Inhaltsstoffs. Dass ein Eintrag dort erscheint, bedeutet weder eine Zulassung zur Verwendung noch eine Sicherheitsfreigabe. [3]
Was CosIng bietet und wie die Funktionen zu verstehen sind
Eine Recherche kann drei hilfreiche Angaben liefern:
- INCI-Name: macht die im Kontext der Kosmetikkennzeichnung verwendete Bezeichnung erkennbar.
- Kennung: hilft, den recherchierten Eintrag von anderen mit ähnlichen oder verwandten Namen zu unterscheiden.
- Funktion: beschreibt eine kosmetische Verwendung, die dem Stoff zugeordnet ist, etwa eine eingetragene Funktionskategorie.
Die Funktion hilft dabei, einen Inhaltsstoff in der Formulierung einzuordnen, beschreibt aber nicht automatisch seine Wirkung in einem fertigen Kosmetikprodukt. Wird ein Eintrag beispielsweise mit einer konservierenden Funktion verbunden, beweist das weder, dass ein konkretes Produkt wirksam konserviert ist, noch lässt sich daraus seine Verträglichkeit ableiten. Es handelt sich um eine funktionelle Einordnung, nicht um das Ergebnis einer Produktprüfung.
Wichtig ist auch, eine Recherche nicht mit einer vollständigen regulatorischen Prüfung gleichzusetzen. Dass ein Name in CosIng steht, klärt für sich genommen nicht, welche Bedingungen, Einschränkungen oder Bewertungen relevant sein könnten. Die Datenbank hilft beim Identifizieren und Einordnen; bei Fragen zu Zulassung oder Sicherheit müssen die geltenden Vorschriften und die entsprechende Bewertung herangezogen werden. Sie lassen sich nicht aus einem einzelnen Eintrag ableiten. [3]
Name, Herkunft und Zertifizierung sind unterschiedliche Fragen
Auf einem Etikett können Begriffe zu Inhaltsstoffen, Herstellung oder Zertifizierung stehen. Sie beantworten nicht dieselbe Frage. Der INCI-Name dient der kosmetischen Identifizierung; eine Angabe wie organic bezieht sich auf eine Aussage zur Herkunft oder landwirtschaftlichen Erzeugung bestimmter Inhaltsstoffe; eine Zertifizierung verweist, sofern vorhanden, auf ein Programm und dessen Kriterien.
Die verfügbaren Informationen zu Bio-Kosmetik in den USA unterscheiden zwischen dem Kosmetikprodukt und der Angabe zu landwirtschaftlichen Inhaltsstoffen und verweisen auf das NOP-Programm des USDA. Außerdem werden landwirtschaftliche Zertifizierungen von den Anforderungen an Kosmetikprodukte getrennt. „Organic“ ist daher weder ein INCI-Name noch eine kosmetische Funktion, und das Wort allein belegt nicht, dass ein bestimmtes Produkt zertifiziert ist. [1]
Diese Unterscheidung hilft, beim Lesen eines Etiketts keine Abkürzungen zu nehmen. Wer wissen möchte, welcher Stoff angegeben ist, sollte die Inhaltsstoffnamen prüfen. Wer eine Herkunftsangabe verstehen möchte, sollte nachsehen, was sie in dem betreffenden Markt bedeutet und auf welche Inhaltsstoffe sie sich bezieht. Geht es um eine Zertifizierung, müssen Programm und Geltungsbereich geprüft werden: Sie lassen sich nicht allein aus einem Inhaltsstoffnamen oder einer kommerziellen Beschreibung ableiten.
Parabene in US-amerikanischen Unterlagen erkennen
US-amerikanische Unterlagen zu Parabenen führen eine Familie von Konservierungsstoffen auf und nennen die Bezeichnungen methylparaben, ethylparaben, propylparaben und butylparaben. Sie weisen außerdem darauf hin, dass diese miteinander oder mit anderen Konservierungsstoffen kombiniert werden können. Zu den genannten Produktkategorien zählen Make-up, Feuchtigkeitspflege, Haarprodukte und Rasurartikel. [2]
Einen dieser Namen in einer Inhaltsstoffliste zu erkennen, ermöglicht die Identifizierung des angegebenen Inhaltsstoffs. Daraus folgt nicht, dass alle Stoffe dieser Familie austauschbar sind oder in jeder Formulierung dieselbe Rolle spielen. Ebenso wenig lässt sich damit die Konservierungsleistung oder Verträglichkeit eines fertigen Produkts bestimmen. Die Stofffamilie weist den Weg; der konkrete Name ist entscheidend.
Die Informationen lassen sich praktisch auf drei Ebenen lesen:
- Identität: Welcher Name steht genau dort?
- Dokumentierte Funktion: Welche kosmetische Rolle ist diesem Inhaltsstoff zugeordnet?
- Schlussfolgerung zum Produkt: Was ist mit spezifischen Belegen über die fertige Formulierung bekannt?
Die ersten beiden Ebenen können helfen, eine Recherche zu strukturieren. Für die dritte braucht es Produktinformationen und geeignete Belege; sie lässt sich nicht daraus ableiten, dass ein Inhaltsstoff zu einer Familie von Konservierungsstoffen gehört.
Was sich bei der Recherche in den USA und Europa unterscheidet
Die hier aufgeführten US-amerikanischen Quellen helfen bei zwei konkreten Themen: Angaben zur landwirtschaftlichen Herkunft im Zusammenhang mit organic sowie Namen von Parabenen und einige kosmetische Anwendungen. CosIng bietet seinerseits eine europäische Recherchequelle für INCI-Namen, Kennungen und Funktionen. Die dokumentarischen Geltungsbereiche unterscheiden sich; sie lassen sich nicht zu einer gemeinsamen regulatorischen Schlussfolgerung verbinden.
Eine US-amerikanische Seite zu einer Angabe oder einer Inhaltsstofffamilie legt für sich genommen nicht fest, wie diese in Europa regulatorisch behandelt wird. Ebenso bestätigt ein CosIng-Eintrag nicht automatisch eine kommerzielle Aussage in den USA. Beim Vergleich muss die jeweilige Zuständigkeit im Blick bleiben: Es gilt zu unterscheiden, welche Quelle welche Frage beantwortet, und ihre Schlussfolgerungen nicht auf einen anderen Markt zu übertragen. [1] [2] [3]
Ein kurzer Weg zu einer sinnvollen Recherche
Bei der Prüfung eines Inhaltsstoffs oder einer Angabe hilft diese Reihenfolge:
- Den genauen Namen übernehmen. Ein einzelnes Molekül nicht durch den allgemeinen Namen seiner Stofffamilie ersetzen.
- Die konkrete Frage klären. Identifizierung, Funktion, angegebene Herkunft, Zertifizierung und regulatorischer Status sind unterschiedliche Themen.
- Die passende Quelle nutzen. CosIng bietet Orientierung zu Namen, Kennungen und Funktionen; die hier zitierten US-amerikanischen Informationen behandeln den Begriff organic und Parabene in ihrem jeweiligen Kontext.
- Den Geltungsbereich im Blick behalten. Ein Eintrag oder eine Informationsseite belegt weder Wirksamkeit noch Verträglichkeit oder Zertifizierung eines bestimmten Kosmetikprodukts.
- Nicht zwischen Märkten übertragen. Bei regulatorischen Fragen die zuständige Jurisdiktion prüfen, statt anzunehmen, dass Informationen aus den USA für Europa gelten oder umgekehrt.
Der Nutzen einer Recherche liegt darin, eine präzisere Frage zu stellen – nicht darin, einem einzelnen Eintrag eine Antwort abzuringen, die er nicht bietet. Ein INCI-Name kann bei der Identifizierung helfen, eine Funktion liefert Kontext und eine thematische Seite kann den Geltungsbereich einer Angabe oder Inhaltsstofffamilie erläutern. Wer diese Informationen getrennt hält, liest Etiketten klarer und schreibt der Recherche keine Aussagen zu Sicherheit, Wirksamkeit oder Regulierung zu, die sie nicht enthält.



