Zwei Werke, nicht zwei Fassungen desselben Katalogeintrags

Was lässt sich beim Vergleich zweier Beauvais-Wandteppiche herausfinden, wenn ihre Katalogeinträge nicht genau dieselben Felder verwenden und nicht dieselbe Art von Datierung bieten? In diesem Fall ermöglichen die Einträge zu The Elephant, das im Art Institute of Chicago aufbewahrt wird, und The Camel from a set of five Grotesques im Metropolitan Museum einen Vergleich der katalogisierten Chronologien, Maße, Materialien, Zuschreibungen und Kompositionen. Die praktische Antwort lautet: Jede Angabe im Zusammenhang mit dem Katalogeintrag des jeweiligen Werks lesen. Beauvais als gemeinsame Herkunft oder ein gemeinsamer Entwerfer machen aus den beiden Wandteppichen kein einziges Werk und rechtfertigen es nicht, Angaben von einem auf den anderen zu übertragen.

Die Einträge beschreiben unterschiedliche Werke mit abweichenden Maßen und Chronologien. Außerdem unterscheiden sie Funktionen, die beim Lesen einer Zuschreibung leicht verwechselt werden können: wer eine Komposition entworfen hat, wer mit ihrem Stil in Verbindung gebracht wird, wer eine Bordüre entworfen hat und wo gewebt wurde. Der Vergleich hilft, diese Kategorien zu ordnen; er ersetzt weder eine Untersuchung vor Ort noch belegt er für sich genommen die vollständige materielle Geschichte eines der beiden Objekte.

Datierungen und Maße: Jedes Maß gehört zu seinem Werk

Der Katalogeintrag in Chicago führt The Elephant mit einer Datierung von etwa 1688/1732 und Maßen von 461,1 × 306,4 cm. Als Material sind Wolle und Seide angegeben, mit Schlitzköper- und doppelt ineinandergreifender Bindung. Der Eintrag des Met führt dagegen für The Camel einen Entwurf von etwa 1688 und eine Webung um 1690–1711 in Beauvais an; die Maße betragen 299,7 × 529,6 cm, als Materialien sind Wolle und Seide verzeichnet. [1] [2]

Der Formunterschied lässt sich leicht übersehen, wenn nur die Zahlen verglichen werden. Im Eintrag aus Chicago ist der erste Wert größer als der zweite; im Eintrag des Met ist der zweite größer. Die Maße beschreiben die katalogisierten Abmessungen jedes einzelnen Stücks. Sie bilden keine gemeinsame Größenskala, aus der sich ableiten ließe, wie die Wandteppiche ausgestellt wurden, welchen Raum sie einnahmen oder wie sie heute wirken. Für einen sorgfältigen Vergleich empfiehlt es sich, die Reihenfolge von Höhe und Breite genau so beizubehalten, wie sie im jeweiligen Eintrag erscheint, ohne die Zahlen umzustellen oder ihnen eine nicht angegebene Bedeutung zuzuschreiben.

Wichtig ist auch, die Datierung beim jeweiligen Objekt zu belassen. Der für die Webung von The Camel angegebene Zeitraum ist keine Herstellungsdatierung für The Elephant. Ebenso sollte die Katalogdatierung von The Elephant nicht an die Stelle der ausdrücklichen Unterscheidung zwischen Entwurf und Webung im Eintrag des Met treten. Eine Chronologie lässt sich nicht aufgrund ähnlicher Themen, Herstellung oder Urheberschaft übertragen.

Entwurf, Stil, Bordüre und Herstellung sind unterschiedliche Kategorien

Beide Einträge unterscheiden mehrere Ebenen der Zuschreibung. Im Katalogeintrag aus Chicago wird Jean Baptiste Monnoyer mit dem Entwurf von The Elephant verbunden; Jean I Berain mit dem Stil und dem Entwurf der Bordüre. Das Feld zur Herstellung verortet die Webung in der Manufacture Royale de Beauvais, Frankreich. Der katalogisierte Name lautet Jean I Berain: Diese Schreibweise einschließlich des „I“ sollte beibehalten und nicht mit einer anderen Namensvariante verwechselt werden.

Der Eintrag des Met verbindet den Entwurf von The Camel mit Jean-Baptiste Monnoyer und dessen Stil mit Jean Berain; der Entwurf der Bordüre wird Guy Louis Vernansal dem Älteren zugeschrieben. Auch hier wird Beauvais als Ort der Webung angegeben. Der Vergleich zeigt eine Gemeinsamkeit – Monnoyer erscheint in beiden Einträgen als Entwerfer – und zugleich einen Unterschied bei der Zuschreibung der Bordüre. Daraus folgt weder, dass die Stücke alle Entwurfselemente gemeinsam haben, noch dass sich die eine Zuschreibung durch die andere ergänzen lässt. [1] [2]

Eine hilfreiche Lesart dieser Katalogeinträge hält die Kategorien auseinander:

  • Entwurf: die im Eintrag für das Werk genannte gestalterische Konzeption.
  • Stil: die im Katalogeintrag festgehaltene stilistische Verbindung; sie ist nicht automatisch gleichbedeutend mit der Herstellung.
  • Bordüre: der Entwurf des ornamentalen Rahmens, dem eine eigene Zuschreibung zukommen kann.
  • Webung oder Herstellung: die Werkstatt und der Ort, die der Katalogeintrag mit der textilen Ausführung in Verbindung bringt.

So wird vermieden, eine Namensliste in eine einzige, einfache Urheberschaft umzudeuten. Zugleich lässt sich erkennen, welche Angaben beiden Werken gemeinsam sind und welche jeweils nur für ein Stück gelten, ohne Lücken mit Vermutungen zu füllen.

Leitung der Manufaktur ist nicht gleich individuelle Webdatierung

Im Eintrag aus Chicago wird die Manufaktur mit drei möglichen Leitungszeiten verbunden: der Familie Behagle zwischen 1684 und 1711, den Brüdern Filleul zwischen 1711 und 1722 oder Noël-Antoine Mérou zwischen 1722 und 1733. Der Katalogeintrag nennt diese Zeiträume als Alternativen; die Datierung des Wandteppichs steht gesondert als etwa 1688/1732. Die Leitungszeiträume beschreiben den verzeichneten administrativen Kontext, beweisen aber für sich genommen nicht, wann genau dieses Stück gewebt wurde. [1]

Diese Unterscheidung ist wichtig, weil ein Zeitraum Jahre umfassen kann, die mit verschiedenen Leitungen verbunden sind, ohne damit einen individuellen Produktionszeitpunkt festzulegen. Ebenso wenig lässt sich ohne zusätzliche Belege eine der Alternativen als Gewissheit auswählen. Am genauesten ist es, die katalogisierte Formulierung beizubehalten und sie weder in ein exaktes Jahr noch in eine Abfolge der Herstellung umzuwandeln, die der Eintrag nicht belegt.

Der Katalogeintrag des Met formuliert die Chronologie von The Camel anders: Entwurf um 1688, Webung um 1690–1711. Diese Daten gehören zu diesem Werk und klären die individuelle Chronologie von The Elephant nicht. Auch wenn sich beide Einträge auf Beauvais beziehen und ihre Datierungen sich teilweise überschneiden, beweist diese Überschneidung weder, dass die Stücke gleichzeitig gewebt wurden, noch, dass sie unter derselben Leitung entstanden. [2]

Die für The Camel beschriebene Komposition

Der Eintrag des Met beschreibt The Camel als Teil einer fantastischen Architektur, bevölkert von Musikern, Akrobaten und Tieren. Das ist eine Beschreibung der katalogisierten Komposition, keine neue Beobachtung und keine Grundlage dafür, dieselben Figuren oder dieselbe Anordnung The Elephant zuzuschreiben. Der Titel ordnet das Werk einer Serie von fünf Grotesques zu, und der Katalogeintrag erwähnt zahlreiche Ausführungen der Serie. Das kennzeichnet den Katalograhmen, beweist aber nicht, dass jede historische Ausführung fünf Stücke umfasste. [2]

Diese Unterscheidung hilft, den Titel zu lesen, ohne daraus eine weitergehende Behauptung abzuleiten, als der Katalogeintrag hergibt. „Aus einer Folge von fünf“ ordnet das Werk innerhalb der verzeichneten Bezeichnung ein; daraus lässt sich weder rekonstruieren, wie viele Stücke bei sämtlichen Ausführungen hergestellt wurden, noch wie viele erhalten sind. Die Komposition ist nur für das in diesem Eintrag beschriebene Camel ein gültiger Vergleichspunkt.

Was die Katalogeinträge über die Wandteppiche nicht aussagen

Die verfügbaren Angaben ermöglichen einen Vergleich von Identifizierung, katalogisierten Datierungen, Maßen, Materialien, Zuschreibungen und Aspekten der für The Camel beschriebenen Komposition. Das vorliegende Material dokumentiert keine Bewertung der Haptik, Qualität oder des aktuellen Erhaltungszustands und enthält keine Angaben zu Behandlungen oder Restaurierungen. Keine dieser Eigenschaften lässt sich daher aus Wolle und Seide, der verzeichneten Technik oder den Maßen ableiten.

Der Eintrag aus Chicago nennt eine Förderung durch das Robert Allerton Endowment, während das Feld zur Provenienz keine Informationen enthält. Dieser Förderhinweis belegt für sich genommen weder eine Eigentumskette noch ein Erwerbsdatum. Hier zeigt sich der Unterschied zwischen verzeichnetem Förderhinweis und dokumentierter Provenienz: Die Angaben haben eine unterschiedliche Reichweite, und die eine füllt die Lücke der anderen nicht automatisch. [1]

Eine kurze Liste, um Angaben beim Vergleich nicht zu vermischen

Beim Lesen von Katalogeinträgen zu Textilobjekten können diese Fragen helfen, bevor man sie zusammenfasst:

  • Zu welchem Werk und welcher Sammlung gehört die jeweilige Angabe?
  • Bezieht sich die Datierung auf den Entwurf, die Webung oder eine andere Form der Katalogisierung?
  • Unterscheiden die Zuschreibungen zwischen Entwurf, Stil, Bordüre und Herstellung?
  • Bleiben die ursprüngliche Reihenfolge der Maße und ihre Einheiten erhalten?
  • Wird eine Eigenschaft ausdrücklich angegeben, oder fehlen dazu lediglich Informationen?

Auf den vorliegenden Vergleich angewandt, ergibt sich eine konkrete Schlussfolgerung: Beide Katalogeinträge dokumentieren Wandteppiche aus Beauvais aus Wolle und Seide und bringen Monnoyer mit dem Entwurf in Verbindung. Sie unterscheiden sich jedoch bei den verzeichneten Datierungen, Maßen und der Zuschreibung der Bordüre. Das Met liefert außerdem eine Beschreibung der Komposition von The Camel; Chicago nennt für The Elephant mögliche Leitungszeiträume der Manufaktur, die keine nachgewiesenen individuellen Webdaten sind. Der Vergleich ist genauer, wenn diese Unterschiede erhalten bleiben, statt sie durch Analogien aufzulösen.